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„Fast Forward Process ist weltweit ein Novum“

GELITA hat gemeinsam mit den Unternehmen Winkler und Dünnebier Süßwarenmaschinen (WDS) und Hänsel Processing die Fast Forward Process (FFP) Technologie entwickelt. Das revolutionäre Verfahren ermöglicht es, Fruchtgummis mit wiederverwendbaren Silikon- anstatt Stärkeformen herzustellen – und verkürzt dabei die Produktionszeit von 24 Stunden auf nur 40 Minuten. Wir führten das Interview mit Holger Brack, Leiter Technikum/ Anwendungsentwicklung, WDS, und Frank Temme, geschäftsführender Gesellschafter, Hänsel Processing, über konstruktive Zusammenarbeit und das Marktpotenzial von Fruchtgummis.

 

 
 
GELITA Interview Dr. Becker
Interview Frank Temme


Herr Brack, Herr Temme, bevor wir zum eigentlichen Thema kommen, erklären Sie unseren Lesern bitte, was Ihre Unternehmen machen.
Holger Brack:
Winkler und Dünnebier ist ein Maschinenbau- Unternehmen, dass sich auf das Gießen und Dosieren von Süßwaren spezialisiert hat. Unsere Anlagen bringen Schokoladen, Hart- und Weichkaramellen, Fondants, Geleeprodukte und auch Fruchtgummis in Form. Wir sind weltweit so ziemlich das einzige Unternehmen der Branche, das Großproduktionsanlagen für fast alle Süßwarenarten herstellt.
Frank Temme:
Die Firma Hänsel Processing produziert seit 1911 Maschinen für die Herstellung von Süßwaren, die im Regelfall gekocht werden. Unser Exportanteil liegt bei 95 Prozent, wir sind auf allen Kontinenten mit unseren Anlagen vertreten.

Was kann das neue Herstellungsverfahren FFP?
Frank Temme:
Die FFP Technologie bringt gelatinehaltige Massen in einem bisher noch nicht dagewesenen kurzen Zeitraum zum Gelieren. Die in Silikonformen gegossenen Fruchtgummis können, anders als bei der klassischen Mogultechnik, die mitunter mehrere Tage in Anspruch nimmt, bereits nach rund 40 Minuten aus der Form genommen werden. Die Produkte lassen sich zudem zusatzstoffeschonend und ohne Kontaminierung herstellen.

 

„Jeder von uns bringt
eine sehr hohe Kompetenz
aus seinem Bereich mit“

Frank Temme

 

Holger Brack:
Bei der Mogultechnik wird die Masse in vorgestempeltes Stärkepuder gegossen. Mit diesen Stempeln können sehr einfach die verschiedensten Formen realisiert werden. Der gravierende Nachteil der Mogultechnik ist aber die Kontamination. Das Formpuder entzieht den Fruchtmassen Feuchtigkeit, damit gelangen auch wasserlösliche Inhaltsstoffe in das Puder. Sind die Fruchtmassen mit Zusätzen angereichert, finden sich diese Stoffe im nächsten Produkt wieder. Das heißt, die Produktion ist nicht sauber.
Frank Temme:
Ein Thema ist auch die Hitzeempfindlichkeit der Zusatzstoffe. Damit diese nicht beschädigt werden, dürfen sie erst nach dem Kochprozess zugeführt werden und müssen möglichst schnell wieder gekühlt werden. Auch dafür ist FFP entwickelt worden.

Welche Markttrends greift FFP auf?
Frank Temme:
FFP zielt in erster Linie auf sogenannte Fortified Gummies, also mit Zusatzstoffen versetzte Produkte. Das können zum Beispiel Vitamine sein, Omega-3-Fettsäuren oder Calcium. Infrage kommen aber auch OTCProdukte, also rezeptfreie Arzneimittel, wie Biotin oder Melatonin. Diese Nahrungsergänzungsmittel werden heute schon in vielen Teilen der Welt als Fruchtgummi zugegeben.
Holger Brack:
Unsere Ernährungsgewohnheiten unterstützen den Trend zu angereicherten Fruchtgummis. Wir haben nicht mehr die Zeit, selbst zu kochen. Convenience Food ist hoffähig. Die Nährstoffe, Vitamine und Mineralien einer ausgewogenen Ernährung müssen zugeführt werden. In Europa wird man sich zunächst auf natürliche Extrakte konzentrieren. Momentan liegen Ingwer und Honig im Trend. Auch Echinacea oder Olivenblattextrakt, der blutdrucksenkend wirkt, oder Spitzwegerich gegen Atemwegs- und Hustenerkrankungen werden häufig nachgefragt. In diesem Bereich tut sich sehr viel. Wenn diese Produkte kommen, müssen wir vorbereitet sein und die technischen Voraussetzungen für die Herstellung liefern können.

GELITA Interview Holger Brack
Interview Button
 

„Die Gewinnmarge für
angereicherte Fruchtgummies
ist sehr attraktiv“

Holger Brack

 

Sind Fortified Gummies auch ein Thema für die Pharmaindustrie?
Holger Brack:
Viele Pharmaunternehmen sind dabei, Fruchtgummis mit rezeptfreien Arzneimitteln zu entwickeln. Allerdings ist das nicht ganz einfach, da Fruchtgummi ein Massen-Essprodukt ist und damit die Gefahr einer zu hohen Einnahme des Zusatzstoffes besteht. In den USA genügen einfache Hinweise auf der Packung. In Europa würde dies niemals erlaubt werden. Hier ist geplant, solche Produkte als Made-in-Pack herzustellen, das heißt, das angereicherte Fruchtgummi wird direkt in eine für Arzneimittel gewohnte Blisterverpackung gegossen und versiegelt. Dafür rechnen wir mit einer Freigabe für den Markt.

Das klingt nach einem enormen Potenzial.
Frank Temme:
Fruchtgummis sind in den letzten zwei bis drei Jahren verstärkt im Markt vertreten. Schließlich sucht jeder Hersteller von Süßwaren nach neuen Produkten, die er anbieten kann. Der Erfolg der Fruchtgummi-Industrie basiert auf Innovation, Vielfalt und Kostenbewusstsein.

Warum sind Fruchtgummis so attraktiv für Hersteller?
Holger Brack:
Kaum ein Produkt im Süßwarenbereich verzeichnet einen so starken Zuwachs wie Fruchtgummis. Diese hohe Akzeptanz macht Fruchtgummis zur idealen Plattform für Zusatzstoffe. Der Preis für solche Produkte ist attraktiv und die Gewinnmarge hoch. Für die bekannten Süßwaren- und Pharmaunternehmen ist es also interessant, eine neue Produktion aufzubauen. Dazu kommen neue Unternehmen, die mit ganz neuen Produkten starten. Mit FFP haben wir auch die Eintrittsbarrieren für kleinvolumiges Geschäft reduziert, da der Investitionsaufwand gegenüber Mogulanlagen geringer ist. Das Geschäft ist so leichter skalierbar.

Haensel Processing Geleekochanlage

Hänsel Processing hat die Geleekochanlage JellyStar® für den Fast Forward optimiert.

Wie kam es zur Kooperation mit GELITA?
Holger Brack:
GELITA und WDS hatten schon vor 20 Jahren die Idee der puderlosen Süßwarenproduktion verfolgt. Damals waren Produkte mit Zusatzstoffen noch gar kein Thema. Es ging einzig und allein um eine saubere, einfache Produktion, allerdings waren die Verfahren noch nicht gut genug. Wir ließen aber nicht locker. Als wir soweit waren und vor ein paar Jahren feststellten, dass wir Kompetenz im Kochbereich brauchten, holten wir Hänsel Processing mit ins Boot. Seitdem arbeiten wir intensiv an dem Projekt und haben enorme Fortschritte gemacht.

„Wir können den Kunden eine gesamtheitliche Linie mit dem Besten aus drei Welten vorstellen“

Frank Temme

Frank Temme:
Wir hatten vorher schon in Einzelprojekten unserer Maschinen zur Fruchtgummi-Produktion mit GELITA zusammengearbeitet, schließlich ist GELITA Marktführer in diesem Bereich der Gelatine.

 

FFP Silikonformen

Saubere Produktion: FFP ermöglicht es, Fruchtgummis in wiederverwendbare Silikon anstatt Stärkeformen zu gießen. Die Produkte lassen sich dadurch ohne Kontaminierung herstellen.

 

Wie sah die Zusammenarbeit aus?
Holger Brack:
Wir trafen uns mehrmals im Jahr, führ- ten Versuche durch und analysierten die Ergebnisse. GELITA kümmerte sich um die Rezeptur und Strukturbildung, Hänsel um den Kochprozess und WDS um die Formgebung. Wir haben jeden Schritt nach und nach optimiert und Piloteinrichtungen geschaffen, mit denen wir Erkenntnisse für großtechnische Prozesse gewinnen konnten. Dadurch sind wir in der Lage unseren Kunden ein komplettes Konzept vorzustellen.

FFP SilikonformenFruchtgummi

Die Herausforderung bei FFP: Die erforderliche schnelle Gelierung und hohe Flexibilität der Texturen sind mit Standardrezepturen, -gelatinen und -prozessen nicht darstellbar.

Was schätzen Sie an der Zusammenarbeit mit GELITA?
Frank Temme:
Wir arbeiten sehr vertrauensvoll mit GELITA und mit WDS zusammen, was sich in dem engen Teamwork widerspiegelt.
Holger Brack:
Wir kennen uns seit vielen Jahren, was die Arbeit und Kommunikation vereinfacht. Unsere Zusammenarbeit ist zielorientiert und die Aufgabenteilung optimal.

„Wir sind in der Lage alle Verfahrensschritte detailliert im Pilotmaßstab zu testen“

Holger Brack

Inwiefern profitieren Kunden von der Kooperation?
Holger Brack:
Unser Konzept ist weltweit ein Novum. Wir denken breit gefächert, auch weil wir die Erfahrung von drei verschiedenen Firmen in das Projekt einfließen lassen konnten. Und wir haben alles Gewohnte auf den Prüfstand gestellt. Diese Herangehensweise gibt uns einen Vorsprung vor Mitbewerbern, die zwar an ähnlichen Prozessen arbeiten, aber diese in vielen Punkten nicht so detailliert ausarbeiten wie wir. Wir haben Rezeptur, Gestaltung, Ausform-Verfahren, Temperaturresistenz, Kochprozess, Festigkeit, Zuckerfreiheit, Halal-Versionen berücksichtigt und getestet, wie sich das Fruchtgummi nach drei oder sechs Monaten verhält. All diese Fragen sind komplex und spiegeln genau das wider, was ein Süßwarenunternehmen grundsätzlich abfragt.

Frank Temme:
Mit WDS, GELITA und Hänsel Processing haben sich drei Firmen zusammengetan, die jede in ihrem Bereich eine sehr hohe Kompetenz mitbringt und deren Erfahrung in die FFP Technologie eingeflossen sind. Somit können wir den Kunden eine gesamtheitliche Linie bieten mit dem Besten aus den drei Bereichen. Nicht zu vergessen haben WDS in Rengsdorf und Hänsel Processing in Hannover jeweils Anlagen eingerichtet, mit denen wir Produktentwicklungsversuche mit Kunden fahren können.

FFP Technologie

Holger Brack demonstriert im WDS Technikum in Rengsdorf, Deutschland, die FFP Technologie. Produktentwicklungsversuche können auch bei Hänsel Processing in Hannover, Deutschland, gefahren werden.

 

FAST FORWARD PROCESS (FFP)

GELITA, Hänsel und WDS haben die Fruchtgummi-Produktion revolutioniert. Ihre Vorteile auf einen Blick:

Puderlose Produktion

  • Realisieren von puderlosen Fruchtgummi- und OTC-Produkten
  • Reduzieren des Materialhandlings auf einen Bruchteil des klassischen Prozesses
  • Vermeiden von Staub, Rückständen oder Verunreinigungen, die das Verwenden von Puder verursacht

Produktionskosten minimieren

  • Ersetzen von zehntausenden Puderkästen durch einige hundert wiederverwendbare Silikonformen
  • Einsparen von Produktionsfläche
  • Weniger Energie- und Personalkosten

Produktionszeit reduzieren

  • Produktion innerhalb von 40 Minuten anstatt 24 Stunden
  • Keine Trocknungszeit und lange Kühlungsprozeduren
 

Vereinfachtes Implementieren von Zusätzen

  • Schonende Behandlung der Zusätze beim Anreichern der Fruchtgummiprodukte
  • Einfaches Verarbeiten von Kollagenpeptiden, Vitaminen, Mineralien, APIs etc.
Gummibaerchen

Foto: iStock.com/LICreate

MEHR INFORMATIONEN:
Dr. Margarethe Plotkowiak
Tel. +49(0)6271 84-2552
margarethe.plotkowiak@gelita.com

Fotos: GELITA

 
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